Hanfläuse (Phorodon cannabis, Syn.: Cannabis aphid): Spezialisierte Blattlaus-Art aus der Familie Aphididae, die ausschließlich Cannabis sativa (Hanf) befällt. Monözisch (vollständiger Lebenszyklus auf einer Wirtspflanze); überträgt virale Pathogene wie das Hemp streak virus. Weltweite Verbreitung in Freiland- und Indoor-Kulturen, besonders in gemäßigteren Klimazonen.
- Morphologie: Adulte Läuse 1,5-2,5 mm, gelblich-grün bis dunkelbraun; geflügelte Morphs (Alatae) bei Überpopulation. Nymphen ähnlich, aber kleiner.
- Schadbild: Blattdeformationen ('Kräuselung'), Nekrosen, Honigtau (Förderung von Capnodium-Rußtau), Wachstumsstagnation. Bei starkem Befall Totalverlust der Ernte.
- Vermehrung: Parthenogenetische Viviparie (Jungfernzeugung; 5-10 Nymphen/Tag pro Adultus). Generationsdauer: 7-10 Tage bei 20-25°C.
- Übertragungswege: Aktiver Flug (Alatae), Passiv via kontaminierte Kleidung/Tools, Klone oder Erde. Windbegünstigte Ausbreitung im Freiland.
- Prädatoren: Natürliche Feinde: Coccinellidae (Marienkäfer), Chrysoperla carnea (Florfliege), Aphidoletes aphidimyza (Gallmücke).
- Resistenzen: Keine bekannten Hanfsorten mit vollständiger Resistenz; partielle Toleranz bei Landrassen (z. B. afghanische Genetik).
- Quarantäne: In der EU meldepflichtiger Schadorganismus (gem. EU-Verordnung 2019/2072).
Profi-Tipps für die Praxis
Prävention: Quarantäne neuer Pflanzen (10-14 Tage), Einsatz von Gelbtafeln (40-60 cm über Pflanzen) + Blaufolie (wellenspezifische Anlockung). Barriere-Methoden: Netze (Maschenweite ≤ 0,4 mm) in Gewächshäusern. Kulturbedingungen optimieren: Relative Luftfeuchtigkeit < 60 %, Temperatur < 24°C (verlangsamt Reproduktionsrate). Biologische Kontrolle: Präventiver Einsatz von Amblyseius cucumeris (Raubmilbe) oder Beauveria bassiana (entomopathogener Pilz). Chemische Bekämpfung: Nur im Notfall: Kali-Seife (1-2 % Lösung), Neemöl (Azadirachtin, systemisch; nicht in der Blütephase!) oder Pyrethrine (kurze Wartezeit, aber Resistenzrisiko).
Akutmaßnahmen bei Befall
1. Isolation befallener Pflanzen (Verhinderung von Alatae-Flug). 2. Manuelles Entfernen mit Wasserstrahl (10-15 bar) oder Alkoholgetränkten Tupfern (70 % Isopropanol). 3. Nützlingseinsatz: Aphidius colemani (Schlupfwespe; 0,5-1 Parasitoid pro Laus bei erstem Auftreten). 4. Pflanzenstärkung: Siliziumdünger (z. B. Kieselsäure) erhöht Epidermis-Festigkeit. 5. Monitoring: Wöchentliche Kontrolle der Blattunterseiten mit 10-facher Lupe.
Häufige Fehler, die man vermeiden sollte- Späte Reaktion: Befall erst bei sichtbaren Schäden behandeln (ab 5 Läusen/Blatt ist Population bereits exponentiell). - Monokulturen: Fehlende Biodiversität begünstigt Ausbreitung (keine Begleitpflanzen wie Ringelblumen oder Dill). - Überdüngung mit Stickstoff: Weiches Gewebe fördert Lausbesiedlung; NPK-Verhältnis auf 3:1:2 einstellen. - Resistenzentwicklung: Wiederholter Einsatz desselben Insektizids (Rotation alle 3 Anwendungen). - Vernachlässigung der Umgebung: Unbehandelte Töpfe, Werkzeuge oder Erde als Reservoir (Desinfektion mit 3 % H₂O₂-Lösung). - Blütephase-Spritzungen: Rückstandsrisiko bei CBD/THC-Ernten; letzte Behandlung mind. 21 Tage vor Harvest.